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Familienfreundlichkeit im Verein

Der praktische Leitfaden

Sie möchten neue Mitglieder für Ihren Verein gewinnen? Sie suchen nach Wegen, wie Sie Personen in der sog. "Familienphase" ansprechen und einbinden können? Indem Sie gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Engagement in Ihrem Verein herstellen und pflegen, bauen Sie gleichzeitig eine solide Strategie zur Nachwuchsgewinnung auf. In unserem Leitfaden finden Sie dazu einige Anregungen und Tipps.

 

Eltern als Mitglieder gewinnen und binden

Schlagwörter wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Work-Life-Balance sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Viele Eltern haben Schwierigkeiten damit, alles unter einen Hut zu bekommen: die Bedürfnisse jedes Familienmitglieds, sowie die täglichen beruflichen und familiären Anforderungen. Für Eltern bedeuten gute Lösungsansätze für Vereinbarkeitsprobleme zwischen Beruf, Familie und Engagement, Chancen auf Teilhabe, Ausgleich, soziale Einbindung und Selbstwirksamkeitserfahrungen. Für Vereine im ländlichen Raum sind sie eine effektive Strategie für die Mitglieder- und Nachwuchsgewinnung. Familienfreundlichkeit im Verein ist für alle eine Win-win-Situation. 
 

Ihr Prozessbegleiter: der Leitfaden

Wie erreichen Sie Familien mit Ihrem Verein? Wie finden Sie heraus, welche Maßnahmen die richtigen sind? Kurzum: Wenn Sie diesen Leitfaden lesen, suchen Sie wahrscheinlich nach Wegen und unausgeschöpften Potenzialen, wie Sie Mitglieder in dieser Lebensphase ansprechen und binden können? Familienfreundlichkeit bedeutet in erster Linie die Bedürfnisse und Belange von Familien zu berücksichtigen, passende Angebote zu schaffen und gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Engagement herzustellen. 

Mit dem Leitfaden haben Sie einen ersten Prozessbegleiter an der Seite. Er stellt Ihnen Fragen und einige Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe Sie die Möglichkeiten in Ihrem Verein reflektieren und weiterentwickeln können. Er möchte Ihnen Denkanstöße und einen Startpunkt zur Überprüfung und Aufbau Ihrer Maßnahmen bieten.

1. Zielgruppenwünsche entdecken

Wissen Sie wirklich alles über Ihre neue Zielgruppe? Entdecken Sie die Schätze. Sie können zum Beispiel gezielt abfragen, ob Ihre Vereinsmitglieder von Vereinbarkeitsproblemen betroffen sind und ob sie Ihren Verein als familienfreundlich wahrnehmen. Als Instrument eignet sich hier eine Befragung. Sie können sich mit der Persona-Methode in die Situation verschiedener Eltern hineinversetzen. Oder Sie können durch Kurzinterviews, insbesondere den sog. empathischen Interviews die Bedürfnisse und Wünsche von Familien aus der Ortschaft erkunden. Was wollen die Eltern? Würden sie  gerne gemeinsam als Familie Spaß haben? Wünschen sie den Austausch mit anderen Eltern? Suchen sie den Ausgleich in einem stressigen Alltag oder wollen sie sich für ihre eigenen Themen einsetzen? Wie können die verschiedenen Interessen in Ihrem Verein erfüllt werden?

2. Passende Angebote ausprobieren

Leiten Sie aus den Bedürfnissen und Wünschen der Zielgruppe konkrete Angebote ab. Das kann auf ganz unterschiedliche Arten geschehen. Zum Beispiel mit einer Spielecke für Kinder im Vereinsraum oder mit generationsübergreifenden Angeboten wie Eltern-Kind-Turnieren. Oder mit  Parallelangeboten, bei denen während der Nachwuchs Fußball spielt, die Eltern vielleicht eine Nordic-Walking-Runde drehen. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass Sie die Maßnahmen gemeinsam als Verein erarbeiten. Dazu bieten sich Kreativitätstechniken wie Brainstorming, Brainwriting oder die 6-3-5 Methode an. 

3. Den Eis brechen und in Kontakt treten  

Schaffen Sie Möglichkeiten für ein gegenseitiges Kennenlernen, zum Beispiel durch einen wöchentlichen oder monatlichen offenen Stammtisch. Versuchen Sie die Zielgruppe Eltern und Familie mit passenden Angeboten und Aktionen zu erreichen, z.B. mit Aktionstagen oder Schnupperkursen für Familien.

4. Familienfreundliche Vereinsstrukturen leben

Wenn Sie Familienfreundlichkeit zu einer Priorität in der Vereinsarbeit machen möchten, sind es häufig Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Dazu gehören zum Beispiel Vereinssitzungen zu familienfreundlichen Zeiten und Einladungen, auf denen auch das Sitzungsende angegeben ist. Desweiteren empfiehlt es sich einen Forum für den Austausch oder eine konkrete Ansprechperson (wie z.B. eine*n Familienbetragte*n) für die Anliegen und Probleme von Familien zu schaffen. Moderne Eltern sind durch berufliche und familiäre Verpflichtungen häufig stark herausgefordert. Da kann die Freizeitorganisation verschiedener Familienmitglieder leicht zu einer zusätzlichen Belastung werden. Deshalb sind Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung und des Ansprechens von Themen wie Zeit- und Stressmanagement und Selbstfürsorge für diese Gruppe besonders wichtig. 

5.  Niedrigschwellige Formen des Engagements anbieten

Ist es im Interesse Ihres Vereins Menschen, die beruflich und familiär stark eingebunden sind, ein Engagement zu ermöglichen? Denkbare Lösungsansätze sind:

  • Verbesserung der Rahmenbedingungen durch kurze, effiziente Vorstandssitzungen und Möglichkeiten der Teilnahme per Videokonferenz,
  • kurzfristige, projektartige Formen des Engagements oder
  • die Erweiterung des Vorstands durch das Bilden von Ressorts.

Sie können die Hemmschwelle der Menschen senken, indem Sie zeigen, was in der Vorstandsarbeit gemacht wird und den Vereinsmitglieder Gelegenheiten bieten den Vorstand durch die Übernahme von kleineren Aufgaben zu unterstützen. Hospitationen, Schnupperpraktikas und gelegentliche, offene Vorstandssitzungen sind mögliche Bausteine für mehr Transparenz. Wenn Sie die Vorstandsarbeit auf viele Schultern aufteilen möchten, lohnt es sich, überschaubare Aufgabenpakete zusammenzustellen.

6. Offen und konkret kommunizieren

Sie möchten, dass Mitglieder in der Familienphase sich mit Ihrem Verein identifizieren und für ihn einsetzen? Sie möchten neue Mitglieder für Ihren Verein gewinnen? Eine gute interne und externe Kommunikation ist der Schlüssel, um diese Ziele zu erreichen. Kennen alle Mitglieder das Leitbild, Ziele und Aufgaben des Vereins, sind sie über aktuelle Entwicklungen informiert, wissen sie an wen sie sich wenden können, wenn sie Probleme oder Fragen haben? Sorgen Sie dafür, dass auch Mitglieder, denen eine regelmäßige Teilnahme nicht möglich ist, den Anschluss nicht verlieren, z.B. durch eine gut gepflegte Vereinswebseite.

Thematisieren Sie das familienfreundliche Konzept Ihres Vereins über verschiedene Kanäle: durch die persönliche Ansprache, durch den Aushang im Vereinshaus, auf der eigenen Webseite, in den sozialen Medien, in der lokalen Presse, usw. Machen Sie auf Möglichkeiten des Engagements aufmerksam. Beschreiben Sie die Aufgaben und den voraussichtlichen Zeitumfang möglichst genau. Damit nehmen Sie den Menschen, die familiäre und berufliche Verpflichtungen haben, die Ängste vor einer Überforderung. Sprechen Sie die Motive potenzieller Engagierter an, indem Sie herausstellen, was das Amt oder die Aufgabe attraktiv macht. 


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